Holz - Gleichgewicht - Ruhe - Mensch - Bilder - Schwanken - Unterbrechung
- Ton - Schwanken Rhythmus - Ruhe - Krach - Menschen - Struktur - Maschine
- Rhythmus - Krach - Maschinen - Krach - Schwanken - Maschine - Waffe
- Maschine - Liebe - Tot - Ruhe - Erwartung - Angst - Wiederholung -
Wiederholung - Wiederholung - Widerhallen - Rhythmus - Musik - Bild
- Rhythmus - Ton - Ruhe - Ton - Struktur - Bild - Unterbrechung - Krach
- Musik - Angst - Erwartung - Bewegungen - Holz
JFGuiton, 1982
Holzstücke,
Georg F. Schwarzbauer
Holzstücke,Dagmar
Streckel,
Flüchtiger Augenblick.,
Peter Rautmann, Nicolas Schalz
The
Scant Veil of Jean-François Guiton's Work, Marc Mercier
Le
voile à peine clos de l'œuvre de Jean-François Guiton,
Marc Mercier
Georg F. Schwarzbauer
aus: Video in Düsseldorf, Wevers, Schwarzbauer, Düsseldorf
1984, S.: 18/19
"Holzstücke" "Am Beispiel einzelner Bild- bzw. Themenvorwürfe
wird die Vielzahl möglicher Erscheinungsbilder abgehandelt.
Stets sind es die bewusst angestrebten sparsamen Handlungsstrukturen,
etwa das Zusammenfallen einer Balkenkonstruktion bei "Holzstucke". (...),
die das weite Feld bedeutender Assoziationen auslösen. (...) Dabei
spielt der Ton, stets als Originalton und in komplizierter Schneidetechnik
angewandt, eine nicht unwichtige Rolle. Er stimmt ein, will gerade durch
seine Anwendung im Sinne unterstutzender Bilderläuterung als suggestive
Erklärung des Bildgeschehen verstanden werden. (...) Guiton (...)
mochte seinen Realitätsbegriff im Sinne von Ludwig Wittgenstein verstanden
wissen. "Die Realität ist keine Eigenschaft, die dem Erwarteten noch
fehlt und die nun zutrifft, wenn die Erwartung eintritt. Die Realität
ist auch nicht wie das Tageslicht, das den Dingen erst Farbe gibt, wenn
sie im Dunkeln schon, gleichsam farblos vorhanden sind. "Diese Einheit
des künstlerisch Vorbestimmten lässt eine wichtige Schlussfolgerung
zu. Realität und Intention müssen in den gebotenen Bildern (z.B.
den Video- tapes) als eine untrennbar miteinander verwobene Einheit gesehen
werden. Zeichen und Intentionen sind ein geschlossenes Ganzes. Ihre betonte
Identität stellt eine fur uns alle verbindliche Weltvorstellung dar."
Georg F. Schwarzbauer
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Dagmar Streckel
Aus Künstler-Videos, Entwicklung und Beteutung, Friedemann
Malsch, Dagmar Streckel, Ursula Perucchi-Petri, Kunsthaus Zürich,
1996, S. 119
"Holzstücke"
Nach»Da Capo«, seinem ersten Video band, produzierte Guiton
im selben Jahr 1982 das Videoband »Holzstücke«- Guitons
charakteristische Stilmittel sind von Anfang an eine stark rhythmisierte
Reihung kurzer Bild- und Tonsequenzen alltäglicher Herkunft, wobei
letztere bisweilen musikalische Qualität annehmen. Ein grosses Vorbild,
das Guitons derart strukturierte Wahrnehmungen angeregt hat, ist, nach
Guitons eigenen Worten, das zentrale Motiv aus Alfred Hitchcocks Krimi-Klassiker
» Fenster zum Hof « (1954) gewesen: mil gebrochenem Bein sitzt
ein Mann am Fenster und lauscht den Geräuschen, die aus den Wohnungen
über den Hof zu ihm dringen. Und anhand dieser Gerausche erlebt und
rekonstruiert er jene Wirklichkeit, die er im akustischen Ausschnitt wahrgenommen
hat, in vollem Umfang. Die verschiedenen »Holzstücke« siedeln
die Klangqualitäten der aufgezeichneten banalen Vorgänge auf
einer Ebene mit den Bildern an, die, im kurzen Ausschnitt. das seriell
wiederholte Zusammenfallen verschiedener zuvor kunstvoll aufgebauter Holzbretter-Konstruktionen
in Staccato-Sequenzen vorfuhren, Durch einen geringen, nur mit Schnitt
und Laufgeschwindigkeit arbeitenden. technischen Aufwand sind Bild und
Ton so rhythmisiert, dass sie Eigenleben gewinnen und verdichtet neue
Wahrnehmungen darstellen. Das teilweise zu hämmerndem Staccato geschnittene
Geräusch der in der leeren Halle zusammenbrechenden Bretterkonstruktionen
ist bis hin zu aggressivem Maschinenlärm gesteigert. Die zusammenfallenden
Bretterkonstruktionen erhalten so choreographische Eigenständigkeit.
Dagmar Streckel
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Peter Rautmann, Nicolas Schalz
Aus Flüchtiger
Augenblick. Zur Rolle von Bild und Klang in den Videoarbeiten von Jean-François
Guiton, in Katalog "abwechselnd gleichzeitig, gleichzeitig
abwesend", Kunstverein Ludwigshafen a. Rh., Ludwig Museum Koblenz, 2001
Nachdem wir ein spätes Video behandelt haben, scheint
es uns sinnvoll, an den zeitlichen Anfang der Video-Arbeiten von Jean-François
Guiton zurückzugehen, an das noch analog hergestellte Band mit
dem Titel Holzstücke, das 1982 entstanden ist. Auf diese Weise
wird es uns möglich sein, die Spanne zu präzisieren, die im
bisherigen Oeuvre zurückgelegt wurde; zu bestimmen also, was an
Ansätzen geblieben ist und was sich wohin verändert hat.
Holzstücke ist eine auf Slapsticks beruhende, geradezu chaplineske
Arbeit, voller umwerfender Komik und Spannung, ausgerichtet auf den
Suspense mit eingelösten und nicht-eingelösten Erwartungen.
Dies ist umso frappierender, als nicht Personen Inhalt sind, sondern
Dinge, "Holzstücke" eben, die in mehrere akrobatische, "halsbrecherische"
Balanceakte gebracht werden, und dabei, bis auf eine Sequenz, natürlich
mit Getöse in sich zusammenfallen, dann aber elektronisch in den
Erstzustand zurückgebracht werden, gewissermaßen dabei neuen
Atem schöpfen. Das Geräusch der zusammenfallenden Hölzer
(es sind eigentlich Bretter-Arrangements), ist wieder eine reine "musique
concrète"; insofern kommt es bei dieser Videoarbeit, musikalisch
gesehen, nur auf einen Parameter an, auf die Rhythmus-Gestaltung.
Es
folgen sich, durch knappe Pausen unterbrochen, insgesamt sechs Sequenzen
und alle leben aus der Spannung, wann und wie denn der Zusammenbruch
erfolgen wird. Zeigt schon die zweite Sequenz sich als virtuoses und
geradezu absurdes Spiel zwischen Destruktion (Zusammenbrechen eines
Bretterhaufens) und Re-Konstruktion (elektronisch wiederhergestellter
Erstzustand des Haufens), wobei die Klangrhythmik das destruktive Moment
betont, so kennt die vierte Sequenz kein Pardon mehr in Bezug auf das
infernalische Spiel zwischen Destruktion und Re-Konstruktion: ein ohrenbetäubendes
Ostinato aus Achtelschlägen, ein gehämmertes, nicht enden
wollendes Continuum, die grotesk absurde Courante sozusagen in der sechsteiligen
Suite. Es ist ein grandioser Einfall des "Komponisten", daß er
die fünfte Sequenz beim reinen Balanceakt und damit beim Spiel
mit der (enttäuschten) Erwartung eines Zusammenfalls beläßt;
musikalisch unterstreicht er diese totale Differenz, indem er auf die
fortissimo-Sequenz Nr. 4 die Tacet-Sequenz Nr. 5 folgen läßt.
Der kurze sechste Teil, der Abschluß, erscheint wie die Coda-Reminiszenz
auf die zweite und vierte Sequenz; dreimal noch fällt der zwischendurch
rekonstruierte Bretterhaufen in sich zusammen.
Peter Rautmann, Nicolas Schalz
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